Ein Name aus der Tiefe der Zeit

Sapaus ist der älteste schriftlich überlieferte Name des heutigen St. Margrethenbergs. Bereits im Jahr 1241 wurde die Siedlung unter diesem Namen erwähnt. Seine ursprüngliche Bedeutung lässt sich heute nicht mehr eindeutig bestimmen. Der Name ist weder deutsch noch romanisch und reicht nach Einschätzung der Sprachforschung wahrscheinlich bis in die vorrömische Zeit zurück. Damit trägt Sapaus die Erinnerung an eine Landschaft in sich, deren Geschichte älter ist als unsere heutigen Sprachen und Grenzen.

Eng mit dieser alten Kulturlandschaft verbunden ist die Canzun da Sontga Margriata, das Margriata-Lied. Es gilt als das älteste bekannte rätoromanische Volkslied und gehört zu den bedeutendsten frühen Liedüberlieferungen der Schweiz. Seine Motive führen tief in die vorchristliche Welt der Alpen zurück, in der Natur, Fruchtbarkeit und das Leben auf den Hochalpen als heilige Wirklichkeit verstanden wurden.

Das Lied erzählt von Margriata, die als Mann verkleidet auf einer Alp lebte und arbeitete. Nachdem ihr Geheimnis entdeckt worden war, verliess sie die Bergwelt. In der örtlichen Überlieferung führt ihr Weg vom Kunkelspass über Vättis, Vadura und den Tristelikopf, weiter über den heutigen St. Margrethenberg bis nach Pfäfers. Dadurch ist das Margriata-Lied nicht nur mit der Geschichte Rätiens, sondern unmittelbar mit jener Landschaft verbunden, aus der der Name Sapaus stammt.

Sapaus steht deshalb für mehr als einen alten Ortsnamen. Der Name verbindet Herkunft und Gegenwart, Natur und Kultur, Beständigkeit und Wandel. Wie das Margriata-Lied über Jahrhunderte hinweg weitergetragen wurde, bewahrt auch eine mechanische Uhr etwas, das unsere Zeit überdauert. Sie macht Zeit nicht nur sichtbar, sondern verleiht ihr Gestalt, Rhythmus und Bedeutung.

Jede Sapaus-Uhr trägt ein Stück dieser Geschichte in sich. Sie erinnert an den St. Margrethenberg, an eine der ältesten Kulturlandschaften Rätiens und an ein Lied, das die Stimme dieser Bergwelt bis in unsere Gegenwart bewahrt hat.